Artikel vom 20. Januar 2006

"Erst vergessen, wenn der Name vergessen ist"

Bildhauer und Aktionskünstler Gunter Demnig verlegt "Stolpersteine" in der City. Schüler recherchieren.

 

 

Auch Philipp Rommel und Lisa Siegesmund vom Stennergymnasium recherchierten für die Stolpersteine. Foto: Kremer

 

 

Von Ilka Kremer

ISERLOHN "Sehr interessant und spannend, aber auch erschreckend" fanden Adelin, Ayse, Belmire und Hüseyin von der Gesamtschule Iserlohn ihre Recherchearbeit zu den "Stolpersteinen". Gestern waren sie dabei, als der Bildhauer und Aktionskünstler Gunter Demnig elf mit Messingplatten versehene Pflastersteine, die an die Vertreibung und Ermordung von Juden während des Nationalsozialismus erinnern, in der Fußgängerzone der Waldstadt verlegte.

Wie bereits berichtet, installiert Demnig die "Stolpersteine", die mit persönlichen Daten der Deportierten und Ermorderten versehen sind, von Flensburg bis Freiburg in der gesamten Bundesrepublik. Mehr als 6500 sind es mittlerweile - in 95 Städten. Direkt vor dem Haus, in dem diese Menschen gewohnt haben, werden die steinernen Quader in das vorhandene Pflaster gesetzt. "Ich habe ein Unbehagen vor zentralen Gedenkstätten. Die Namen müssen zurück an die Orte, wo die Menschen herkommen", erklärt Gunter Demnig gegenüber der Redaktion. Denn: "Der Mensch ist erst vergessen, wenn der Name vergessen ist", sagt der Kölner Künstler.

Routiniert geht Demnig in der Wermingser Straße mit Kelle und Hammer zu Werke, um die "Stolpersteine" zu verlegen. Umringt wird er dabei von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule und des Stennergymnasiums. Einige Passanten bleiben stehen und schauen neugierig. "Was passiert denn hier?" fragen sie. Gerne geben Demnig selbst oder auch der eine oder andere Jugendliche Erklärungen ab.

Nicht, weil er in irgendeiner Form selbst betroffen ist, engagiert sich Demnig in diese Richtung. Sondern, weil er bereits früh angefangen hat, politisch zu arbeiten und Aktionskunst gegen Krieg und Verfolgung zu machen. Jetzt freut er sich, dass er mit seinen "Stolpersteinen" zum einen bei den Schülern, die die Recherchearbeit machen, etwas bewirkt. Und zum anderen bei den Passanten, die vielleicht ins Nachdenken kommen, wenn sie über die Steine in der Iserlohner City "stolpern".